Na, das ist mal ein Bericht...

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,733854,00.html

10.12.10 16:09, kommentieren

Umzug meines Blogs

Hallo Leute,

tut mir leid, dass Ihr so lange nichts mehr von mir gehört habt. Das liegt daran, dass ich mich hier mit dem Support des Anbieters dieser Plattform rumschlagen muss. 

Ich habe jede Menge Bilder, die ich Euch gerne zeigen möchte. Leider wurde aus einem nicht bekannten Grund die Upload-Größe für Bilder aus 13 KB limitiert. Mal ehrlich, wenn ich Bilder mit so einer Dateigröße hochlade, dann könnt Ihr selbst mit einer Lupe nichts erkennen.

Leider ist der Support nicht in der Lage dieses Problem zu beseitigen. Darum werde ich jetzt - wie einige andere hier bei diesem Anbieter auch - meinen Blog zu einem anderen Anbieter umziehen. 

Ein paar Kandidaten hab ich schon gefunden. Ich will mir die nur noch genauer ansehen, bevor ich mich entscheide. Dann werde ich hier die entsprechende Adresse bekannt geben.

Bis dahin wünsche ich allen ein schönes Wochenende.

Bis bald ;o)

 

1 Kommentar 4.12.10 12:26, kommentieren

Ankündigung weiterer Bombenanschläge in Abuja

Wir haben gerade von der Unternehmenskommunikation die Informationen bekommen, dass die Rebellenorganisation MEND weitere Bombenanschläge in Nigerias Hauptstadt Abuja angekündigt hat. Man hat uns angewiesen unsere Aktivitäten ausserhalb des Firmengeländes und der Camps nur auf das nötigste zu beschränken sowie öffentliche Orte mit größeren Menschenansammlungen zu meiden. Ebenfalls wurde uns aufgetragen, dass jeder Mitarbeiter seine Mobilfunknummer dem Unternehmen mitteilt, um bei einer konkreten Bedrohung alle Mitarbeiter per SMS darüber zu informieren.
 
*Angeblich wird die  MEND 30 Minuten vor dem Attentat die nigerianischen Behörden über ihr Ziel informieren. Wobei ich persönlich glaube, dass - bei der üblichen nigerianischen Verhaltensweise - die Warnung erst 5 Minuten nach der Explosion von der MEND rausgegeben wird oder mich die SMS-Warnung unserer Firma erst 30 Minuten nach der Explosion erreicht. *
 
Ich hoffe, dass es lediglich bei der Drohung bleibt... Den Abend lassen wir uns trotzdem nicht vermiesen! Da gehen wir Pizza essen...

1 Kommentar 16.10.10 13:53, kommentieren

Bombenanschläge in Abuja, Nigeria

Kaum bin ich aus meinem Heimaturlaub zurück, da erhalte ich nicht so gute Nachrichten von meinen Arbeitskollegen. Am Wochenende vor meiner Einreise gab es während der Feierlichkeiten zu Nigerias 50. Unabhängigkeitsjahr einen Bombenanschlag in der Hauptstadt Abuja, wo ich arbeite und lebe.

Man berichtete mir von einem unglaublich lauten Knall, der auch - obwohl ca. 5 km Luftlinie entfernt - deutlich im JBN Headquarter zu hören und zu spüren war. Julius Berger Nigeria PLC hat dabei einen Mitarbeiter verloren und zwei Kinder eines anderen Mitarbeiters - die zu den Feierlichkeiten auftreten sollten - erlagen ebenfalls ihren schweren Verletzungen. Was sind das bloß für Menschen, die den Tod unschuldiger Kinder für ihren Aufmerksamkeitsdrang in Kauf nehmen?!

Gestern gab es dann ein Rundschreiben von unserem Management an alle Mitarbeiter des Unternehmens. Unsere Führungsetage geht im Moment davon aus, dass es sich um ein einmaliges Ereignis gehandelt hat und das mit dem Ende der Feierlichkeiten keine weiteren Zwischenfälle dieser Art geschehen werden. Wir sollen - wie gewohnt - alle unseren normalen Tätigkeiten nachgehen, aber dennoch sehr aufmerksam sein und alle ungewöhnlichen Dinge melden. So richtig beruhigend klang das Rundschreiben jedoch nicht. Ich selbst hoffe allerdings das unser Management Recht behält...




Link #1: Autobomben zum Geburtstag

Link #2: Bomben bei Unabhängigkeitsfeier...

Link #3: Anschlag am Unabhängigkeitstag...

1 Kommentar 6.10.10 10:00, kommentieren

Wein doch nicht Argentinien...

Das wird meine neue Fussball-Hymne:


1 Kommentar 5.7.10 13:57, kommentieren

Schikane im Unternehmen - Teil III - (Probieren wir es noch mal...)

Nun sind ja schon ein paar Tage ins Land gegangen. Und ich kann sagen, dass sich in dieser Angelegenheit nicht mehr viel getan hat. An dem Mittwoch, wo ich meine Kündigung eingereicht hatte, habe ich noch ein paar Gespräche mit meinem Chef geführt, bei denen es um die Kündigungsformalitäten ging. Unter anderem wurde mir der Freitag als Ausreisetermin genannt. Verdammt, dachte ich, Freitag war der Grillabend im Utako Camp und es blieb mir auch keine Zeit mich von meinen Kollegen zu verabschieden. Naja, das musste ich dann so hinnehmen. Schließlich kann ich verstehen, dass sie keine weiteren Euros in meine Unterkünfte oder so was stecken möchten.

Am späten Mittwochnachmittag kam dann der Chef von HR auf mich zu und hat mich um ein Gespräch gebeten. Wir sind in sein Büro gegangen und er fing an zu reden. Das er in seiner Laufbahn so etwas noch nicht erlebt hat, dass ein Konflikt zwischen zwei Mitarbeitern in so kurzer Zeit so heftig eskaliert, dass es mit der Kündigung eines Mitarbeiters endet und somit ein Problem mit dem Unternehmen entsteht. Wenn der gute Herr mich da auch mal zu Wort gelassen hätte, dann hätte ich es ihm auch groß und breit erklärt, aber stattdessen erzählt er mir noch, dass er nicht eingegriffen hätte, weil er das falsch eingeschätzt hat. Nebenbei mal angemerkt: Er befand sich in jeder Mail in Cc! Weiterhin meinte er dann noch, dass Herr F. ja total in Arbeit ertrinken würde, sowie den beschissensten und undankbarsten Job im ganzen Unternehmen hätte. Und das bekannt ist, dass Herr F. erhebliche Defizite in Sachen Kommunikation und Einfühlungsvermögen besitzt. Na toll, es ist bekannt und niemand macht was dagegen, dachte ich, weil ich auch hier nicht zu Wort gekommen bin. Zuletzt meinte er dann noch, dass er schon einige Zeit ein Art Kommunikationstraining mit Herrn F. probiert. ...Na, das war ja mächtig erfolgreich... Irgendwann sagte er mir, dass er nicht glauben kann, dass jemand allein wegen so etwas kündigen würde. Richtig, da hab ich ihm beigepflichtet.

Warum soll ich mir das Alles hier antun?! Den Konflikt mit Herrn F., welcher mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass ich selbst in 10 Jahren noch keine Unterkunft im Life Camp habe und stattdessen nur so eine kleine Container-Wohnung habe werde, welche total ab vom Leben hier liegt. Oder das Wissen, dass das Unternehmen bzw. das Management so linke Spielchen toleriert und die Leute im Stich lässt - bis heute wurde in dieser Sache, wie erwartet, kein weiteres Wort mehr darüber verloren. Oder das keine Rücksicht auf verletzte oder kranke Mitarbeiter genommen wird und dieser vollkommen alleine mit seinen Problemen da steht. Oder das mangelnde Interesse an der Einarbeitung und dem Einsatz meiner Fähigkeiten, sowie das ständige Blocken von den älteren Kollegen in der IT gegenüber neuen Ideen und Technologien, was einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. Dazu kommt das es an allen Ecken und Enden im Unternehmen in Sachen Organisation und Prozessabläufe hapert, aber niemand gewillt ist, Verbesserungen durchzusetzen. Warum soll ich mich mit sowas rumplagen?! Das ist verschenkte Zeit für mich. Gerade wegen meiner todkranken Mutter, deren zukünftige Lebenserwartung ziemlich unsicher ist. Da bin ich lieber an der Seite meiner Familie, verbringe lieber die Zeit mit meiner Familie und unterstütze sie in den kommenden schweren Zeiten. Ab da hatte es auch der Personalchef verstanden, warum ich so gehandelt hab.

Am Ende des Gespräches fragte er mich dann, was man denn machen müsste damit ich mir das mit der Kündigung noch einmal überlege. Ich habe geantwortet, dass ich keinen Stress mehr haben will mit irgendwelchen Umzügen in irgendein Drecksloch. Ich bin gerne bereit aus dem Hotel auszuziehen, wenn man mir eine vernünftige und saubere Unterkunft anbieten würde. Ansonsten will ich einfachmeine Ruhe haben und nicht weiter genervt werden. Da hat der Personalchef kurz den Herrn F. angerufen und ich wurde wieder im Hotel einquartiert. Und als zweiten Punkt wollte ich, dass meine Einarbeitung stärker als bisher voran getrieben wird. Denn bis dato hatte ich weder irgendwelche Einweisungen erhalten oder produktiv gearbeitet. Und 10 Stunden täglich dumm rumsitzen machen mir keinen Spaß... Jedenfalls einigten wir uns darauf, dass ich es mir noch einmal überlege mit der Kündigung, wenn das mit der Unterkunft geregelt wird. Er würde die Kündigung auf seinen Schreibtisch liegen lassen und ich sollte ihm am Anfang der kommenden Woche meine endgültige Entscheidung mitteilen.

Dank eines Feiertages, dem Democracy Day in Nigeria, welcher auf den Samstag fiel, gab es für uns ein langes Wochenende. Denn der Nigerianer an sich will ja auch arbeitsfrei haben. Also wird kurzerhand beschlossen, dass auf einen Feiertag an einem Wochenende ein freier Montag folgt. So hatten wir Samstag, Sonntag und Montag frei. Das ist eine Regelung, die man auch in Deutschland ganz gut übernehmen könnte! ;o)

Das folgende Wochenende war ganz gut verplant. Am Freitagabend gab es ein BBQ im Utako Camp mit einem Abschluss in der berühmt berüchtigten Elephantbar des Sheraton Hotels, aber davon erzähle ich noch mal in einer der kommenden Beiträge. Genauso wie der sonntägige Grill-Ausflug zu den Wasserfällen und einer verpassten Buschtour am Montag. Jedenfalls konnte ich an dem Wochenende ausreichend abschalten und nachdenken. Am Dienstag habe ich meine Kündigung dann wieder zurückgezogen.

Liebe Leute, ich bleibe also noch etwas hier unten! ;o)

Ich habe für mich persönlich dafür entschieden, dass ich mich noch nicht geschlagen gebe und dass ich noch mehr von Afrika, Nigeria und der Landschaft sehen will. Denn wer weiß, ob ich jemals wieder die Gelegenheit dazu habe... ;o)

2 Kommentare 24.6.10 21:00, kommentieren

Schikane im Unternehmen - Teil II - (Ernüchterung am Tag danach...)

Hm, die hohen Wellen haben sich hier eher als kleine Wellchen entpuppt. Nachdem ich die Mail am Montag an meinen Chef und das Top-Management gesendet habe, gab es kurzfristig ein emsiges hin und her Gerenne auf meinem Flur, weil mein Büro direkt gegenüber dem Personalbüro liegt. Was sich dort jedoch zugetragen hat, weiß ich nicht. Aber der Chef von Herrn F. war dabei. Kurze Zeit später durfte ich bei meinem Chef antreten und durfte Rede und Antwort stehen. Was mich etwas beruhigt hat, nach dem er die Fakten vorliegen hatte, teilte er mir mit, dass er aus persönlicher Sicht ebenso gehandelt hätte und das es ihm aus der Sicht als Vorgesetzter leid tut, was da vorgefallen ist und er es bedauert. Gleichzeitig sagte er mir aber auch, dass er selbst machtlos dagegen ist, weil Herr F. hier einen fast unantastbaren Status genießt. Gerüchten zur Folge – das hab ich jetzt nicht von meinem Chef – weiß Herr F. aufgrund seiner Position einfach zu viel über gewisse Personen. Auch von Personen aus dem Top-Management und kann deshalb tun und lassen was er will. Beispielsweise gibt es hier ein Gerücht, dass besagt, dass in einer nächtlichen Aktion Prostituierte im Kofferraum eines oder mehrerer Fahrzeuge in das Life Camp geschmuggelt wurden, denn jede Durchfahrt durch das Tor zum Life Camp wird genauestens protokolliert. Besonders, wenn eine schwarze Frau neben einem weißen Mitarbeiter in das Camp reinfährt. Deshalb die Kofferraum-Aktion. Und wenn er von solchen Sachen weiß, dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit Herr F., weil ihm nämlich alle nigerianischen Mitarbeiter im Life Camp unterstellt sind und für ein bisschen Extra-Kohle tun die hier alles – Betonung auf ALLES! Aber wie gesagt, dass ist nur ein Gerücht!

Jedenfalls wurde beschlossen, dass nach dem Essen eine Besichtigung meiner Unterkunft mit Herrn F., seinem Chef-Chef, meinem Chef und mir erfolgen sollte. (Es gibt hier noch viel mehr Chefs, dass manchmal die Frage aufkommt, wer denn eigentlich die Arbeit macht! ) Damit Herr F. nicht intervenieren konnte, wurde er über den Grund der Besichtigung im Unklaren gelassen. Denn mit einem Anruf bei einem seiner nigerianischen Jungs hätte er dafür sorgen können, dass die Mängel in dem Zimmer vorher beseitigt würden. Also bin ich nach dem Essen direkt zur Wohnung und hab mir noch mal alles angesehen. Leider hatte mein Steward seine Aufgaben schon erledigt, d.h. das verdreckte Geschirr und Besteck waren sauber und der Gestank kaum noch vorhanden. Vermutlich hatte der Steward den Raum gelüftet. Der Schimmel, der defekte Kühlschrank und der versiffte Badezimmerschrank waren aber immer noch vorhanden. Anschließend bin ich raus aus dem Zimmer, habe abgeschlossen und es mir auf einem Stuhl davor bequem gemacht. Zuerst war Herr F. vor Ort und als er mich sah, konnte man an seinem Blick erkennen, dass es jetzt unangenehm für ihn werden könnte. Beim Betreten des Flurs hat er alle anwesenden Nigerianer gegrüßt, die ihn in unterwürfiger Körperhaltung mit „Master“ zurückgegrüßt haben. Ich wurde dagegen gekonnt ignoriert, aber das war egal, denn geantwortet hätte ich eh nicht. Stattdessen habe ich ihn ganz relaxt angeschaut und nicht aus den Augen gelassen. Man konnte sehen, dass es ihm unangenehm wurde und wenige Augenblicke später ist er zur nächsten Etage hoch, kam wenige Minuten wieder runter, ist raus vor die Tür und lief dort dann ziemlich nervös im Kreis. Irgendwann später kamen dann unsere Chefs hinzu und die Besichtigung ging los. Mein Steward war auch da und hat Panik geschoben, dass er irgendetwas falsch gemacht hätte. Habe versucht ihm zu erklären, dass es nicht sein Fehler ist, aber so richtig hat er das wohl nicht verstanden. Auch wenn der Geruch arg geschwächt war, so hat – Gott sei Dank – auch der Chef von Herrn F. die Nase gerümpft und mir mitgeteilt, dass er auch nicht in so einem Geruch leben möchte. Auch bei allen anderen Punkten, die bemängelt wurden, hat er zugestimmt, dass diese umgehend – sprich heute – zu beseitigen wären. Herr F. hat alles fleißig in seinem Notizblock notiert und seinem Chef auf ziemlich unterwürfige Art beigepflichtet. Gleichzeitig kam eine faule Ausrede von Herrn F., dass dies hier die 3. Welt ist und ich doch keinen deutschen Standard erwarten könnte. Stellt sich mir nur die Frage, warum die anderen Wohnungen in diesem Gebäude sauber und ohne Schimmel sind oder warum man mir beim Einstellungsgespräch versichert hat, dass die Unterkünfte der Mitarbeiter deutschem Standard entsprechen. Sogar auf dem Werbe-Video „Take Your Chance“ wurde damit geworben. Letztendlich wurde vom Chef von Herrn F. beschlossen, dass alles in Ordnung gebracht wird. Aber zu dem Vorwurf der Schikane wollte er sich nicht äußern, geschweige denn genau wissen, was vorgefallen ist. Da wusste ich Bescheid, dass die – nach deutschem Recht eindeutig definierte – versuchte Nötigung durch den Erpressungsversuch mit der Life Camp Belegungsliste in diesem Unternehmen unter den Tisch gekehrt werden wird. Also hieß es für mich erst einmal abwarten, was noch alles passiert. Wenn die Probleme schnell beseitigt würden, dann wäre ich schon mit diesem Teilerfolg zufrieden gewesen und ich habe damit ja auch Herrn F. klar gemacht, dass ich nicht gewillt bin sein Opfer zu spielen…

Als ich am Abend dann in mein Zimmer kam, durfte ich feststellen, dass überhaupt nichts beseitigt worden ist. In der Deckenlampe lagen weiterhin die toten Insekten, der Schimmel und der Geruch haben mich weiterhin willkommen geheißen. Aber wenigstens vor dem Badezimmerschrank musste ich mich nicht mehr ekeln. Benutzen werde ich den trotzdem nicht. Beim Gedanken daran schüttelt es mich schon wieder. Naja, dachte ich, vielleicht war es in der kurzen Zeit nicht möglich etwas zu tun. Morgen sollte ja der Kühlschrank getauscht werden. Warte ich einfach mal ab… [Bilder zeigen]

Am darauf folgenden Tag habe ich erfahren, dass der Zustand der Wohnung schon beim Einzug meines Vormieters so war, d.h. der Typ hat doch echt 6 Wochen darin gelebt. Das finde ich echt krass! Vermutlich hat er sich nicht getraut etwas zu sagen, weil er noch Probezeit hatte und weil er vielleicht nicht weiß in welchem Zustand die anderen Wohnungen sind. Ich dagegen hatte bis zu meinem Auszug aus dem Hotel bereits 4 verschiedene Wohnungen gesehen und mindestens eine davon fotografisch festgehalten. [Bilder]

Nach Feierabend bin ich dann in meine Wohnung, um zu prüfen, ob sich etwas getan hat. Mein ungutes Gefühl sollte mich nicht trügen und ich konnte feststellen, dass alles so war, wie ich es morgens hinterlassen hatte. Auch der Kühlschrank war derselbe gewesen, denn die unverwechselbare Schramme an der Tür, wird es kaum bei allen Geräten dieses Typs geben. Zu diesem Zeitpunkt habe ich beschlossen, dass ich am nächsten Morgen auf jeden Fall aus dem Appartement ausziehen werde. Egal, ob man mir eine Alternative gibt oder nicht. Im schlimmsten Fall, habe ich mir vorgenommen, werde ich mich entweder mit Sack und Pack auf der Gartenterrasse oder im Büro unseres Managing Directors einrichten und den verlorenen Schlaf der letzten Nächte nachholen. Was hab ich denn jetzt noch zu verlieren?! Dann sollen sie mich deswegen kündigen und ich bekomme wenigstens keine Sperre beim Arbeitslosengeld…

Heute Morgen bin ich aus meiner Wohnung ausgezogen und mit Sack und Pack ins Büro. Der nigerianische Security-Mann, mit dem ich mich ganz gut verstehe, hat mich ganz verdutzt angeschaut und gefragt, ob ich Urlaub machen wollte. Da musste ich ihm erklären, dass ich kündigen werde. Das wollte der gar nicht glauben, aber dann hat er mir erzählt, dass das Management schon vor mir einige junge Leute vergrault hat. Ich musste ihm nachher versprechen, dass ich nicht eher gehe, bevor er nicht ein gemeinsames Foto von uns hätte. Das fand ich echt witzig! Überhaupt ist mir aufgefallen, dass einige Nigerianer, die ich noch nie gesehen habe, mich grüßen und nach meinem gebrochenen Fuß fragen. Der Buschfunk der Einheimischen scheint weitaus effektiver zu sein als der Flurfunk bei Itellium. Wahrscheinlich hat sich unter den Nigerianern herum gesprochen, dass sich ein weißes Humpelstilzchen mit ihrem „Master“ Herrn F. angelegt hat.

Die Kündigung habe ich anschließend meinem Chef überreicht. Dieser hat sie – was bleibt ihm auch anderes übrig – akzeptiert und bedauert weiterhin die ganze Geschichte. Er hat mir noch einmal beteuert, das ich fachlich und auch von der Person her gut ins Team passen würde. Und er hat sich überlegt, wie er mich zum Bleiben überreden könnte. Nach dem Trouble hier tat das mal ganz gut zu hören. Jedenfalls ist mit der Kündigung der Prozess der Beendigung des Arbeitsverhältnisses in die Wege geleitet worden, aber was nun kommt, wird sich zeigen…

*** Fortsetzung folgt ***

1 Kommentar 26.5.10 11:55, kommentieren

Schikane im Unternehmen

Leider muss ich Euch mitteilen, dass ich Euch zukünftig keine Geschichten mehr über das Projekt Nigeria erzählen kann. Am heutigen Morgen habe ich meinen Vorgesetzten um die Auflösung meines Arbeitsverhältnisses gebeten.

Folgendes hat sich zugetragen:

Angefangen hatte alles in der Woche vor dem Beachvolleyballturnier, wo ich mir unglücklicherweise den Fuß habe brechen lassen. Ein gewisser Herr F. – zuständig für die Camp Belegungen in Abuja – hatte mich an dem Freitag kontaktiert und mir wurde mitgeteilt, dass im Utako Camp – ein noch im Aufbau befindliches Camp (kurz: eine einzig große Baustelle) – ein Appartement für mich zur Verfügung steht. Ich sollte doch bitte aus dem Sheraton Hotel ausziehen und dort in die freistehende Hütte einziehen. Mein Arbeitskollege gab mir den Hinweis, dass ich mir die Unterkunft zuerst einmal anschauen sollte. Denn es gab in der Vergangenheit bereits verschiedene Leute, die aufgrund unterschiedlichster Gründe ihre angebotene Unterkunft abgelehnt hätten. Deshalb habe ich zuerst den Schlüssel abgeholt. Herr F. meinte noch zu mir, dass wäre eine schöne und ruhige – Betonung auf ruhig! – Unterkunft für mich.

Also bin ich mit meinem Fahrer direkt hin zu der Hütte und hab mir das Ganze angesehen. Es handelte sich dabei, um eine Hütte aus zwei Schiffscontainern auf die ein Dach gezimmert worden ist. Von der Raumaufteilung nur halb so groß wie mein Zimmer im Sheraton Hotel. Um an den Kleiderschrank zu kommen, hätte ich über das Bett steigen und die Stühle auf den Tisch stellen müssen, da man den Schrank sonst nicht hätte öffnen können. Mit meinen zwei Koffern und der Reisetasche hätte ich mich da drin nicht mal mehr umdrehen können. Aber um noch mal auf das Thema Ruhe zu kommen: Die Hütte lag keine drei Meter von der Außenmauer des Utako Camps entfernt, wo sich auf der anderen Seite eine Hauptverkehrsstraße befindet. Ich weiß nicht, ob ich das bereits erwähnt habe, aber in Nigeria ist die Hupe eines Autos weitaus wichtiger als eine funktionierende Bremse. Das ist aber noch nicht alles! Auf der anderen Straßenseite befindet sich der „Wuse“-Markt, d.h. da ist täglich – auch am Wochenende – von 7 Uhr morgens bis abends um 22 Uhr Hochbetrieb. Dazu kommt, dass es in der näheren Umgebung des Appartements weder einen Supermarkt, noch irgendein Restaurant vorhanden ist und ich auch noch nicht im Besitz eines eigenen Führerscheines war. Mal eben etwas Essen holen am Wochenende hätte schon überhaupt nicht geklappt und mein Fahrer hat schließlich sonntags ebenfalls frei. Den wollte ich nicht dazu nötigen, dass er mich dann rumkutschiert. Mag sein, dass manche hier damit kein Problem haben, seinen Fahrer zu so etwas auszunutzen, aber ich gehöre bestimmt nicht dazu. Jedenfalls habe ich daraufhin Herrn F. eine eMail gesendet, mich darin für die angebotene Unterkunft bedankt und abgelehnt. Das hat dem gar nicht gefallen! Ich kann auch nicht verstehen warum, weil es gab mindestens noch 20 weitere Personen im Sheraton Hotel, denen er die Unterkunft hätte anbieten können, aber stattdessen hat er mir in einer ziemlich pampigen Art klar gemacht, dass dies hier keine Wunschfirma wäre und ich doch bitte umziehen möge. Wer mich kennt, der weiß, dass ich auf so eine Tonart sehr allergisch reagiere – Schöne Grüße an dieser Stelle an meinen Ex-Kollegen Herrn Kreft – und deshalb habe ich diese eMail ignoriert.

An dem darauf folgenden Wochenende brach ich mir unglücklicherweise beim Beachvolleyball den Fuß – das ist aber eine ganz andere Geschichte. Jedenfalls habe ich meinen Fahrer am Dienstag zur Camp Administration geschickt und ihn gebeten den Schlüssel zurück zu geben. Der arme Kerl wusste nicht was er tun sollte, denn bei der Administration haben sie ihn mit dem Schlüssel wieder zurück geschickt und er hatte ein schlechtes Gewissen, dass er seine Aufgabe nicht erledigt hat. Ich musste ihm erst einmal klar machen, dass er nichts falsch gemacht hat und ich glaube er hat es nachher auch so verstanden. Kurze Zeit später ging bei mir das Telefon und Herr F. war am Telefon. Zuerst war er ganz freundlich und er versuchte mir zu erklären, dass das nur eine Übergangslösung für zwei bis drei Wochen wäre – mir war zu diesem Zeitpunkt allerdings bekannt, dass andere Personen mehrere Monate da drin untergebracht waren – und das er mir ja nichts Böses wollte. Er würde ja nur Befehle ausführen und so… Als ich darauf nicht reagiert habe, hat er seine Taktik gewechselt und zu mir gesagt, dass man im Life Camp keine Quertreiber mag und wenn ich jetzt nicht spuren würde, dann würde er mich auf der Warteliste für das Life Camp ganz nach hinten setzen. Aber auch erpressen lasse ich mich nicht! Ich wusste bereits, dass ich mich auf dieser besagten Liste an Position 17 oder 18 befand. Was Herr F. nicht wusste, ist, dass es für einen Mitarbeiter der IT genügend Mittel und Wege gibt, diese, als geheim eingestufte, Liste einzusehen. Nach dem Telefonat hat es keine 30 Minuten gedauert und da hab ich mich an letzter Stelle der Warteliste wieder gefunden.

Nun hatte ich mir ja den Fuß gebrochen und ich habe versucht den Leuten hier klar zu machen, dass ich im Moment nicht in der Lage wäre, den Umzug durchzuführen, weil später die Selbstversorgung eine erhöhte Belastung darstellen würde. Schließlich müsste ich von nun an einkaufen gehen, ich müsste zu Fuß zu den Supermärkten, weil ich ja noch keinen Führerschein hab, noch keinen Fernseher hab und auch sonst total von der Außenwelt abgeschnitten wäre. Im Hotel bräuchte ich das nicht, weil man sich das Essen aufs Zimmer kommen lassen kann. Dementsprechend wäre mein Fuß keiner erhöhten Belastung ausgesetzt gewesen und der Heilungsprozess wäre schneller von statten gegangen. Die Antwort von Herrn F. war: „… Sicher verstehen Sie, dass das Argument Sie haben einen gebrochenen Zeh nicht ernst genommen werden kann. …“ und „…Die bisher entstanden Mehrkosten für fünf zusätzliche Tage im Sheraton werden wir Ihnen noch nicht belasten! …“. Das war schon echt unverschämt! Ich hatte permanent Schmerzen beim Laufen, trotzdem war ich im Büro und ich habe weiterhin meine Arbeit gemacht. Daraufhin hat sich mein Vorgesetzter eingeschaltet und hat darauf hingewiesen, dass er froh ist, dass ich arbeiten komme und, dass der Umzug sowie die anschließende Eigenorganisation den Heilungsprozess negativ beeinflussen könnten. In der Antwort teilte uns Herr F. mit, dass es genug Personal gäbe, welches mich beim Umzug unterstützen würde und gefolgt von dem Satz – ich zitiere: „Schelchte Polemik bitte ich bei künftiger Konversation zu unterlassen.“ (Den Rechtschreibfehler habe ich jetzt nicht extra eingebaut!) Egal, was ich an Argumentation vorbrachte, es half nichts. Ich war zum Umzug gezwungen. An dieser Stelle habe ich das erste Mal mit dem Gedanken gespielt, das Projekt „Nigeria“ hinzuschmeißen. Zum Glück kam am Abend vor dem Umzug eine Mail vom Vorgesetzten von Herrn F., in der kurz gesagt, bestimmt wurde, dass ich im Hotel bleiben darf, solange der Heilungsprozess – nach ärztlicher Aussage 4 bis 6 Wochen! – nicht vollständig beendet ist.

Das Glück währte nicht lange. 2,5 Wochen später bekam ich von Herrn F. wieder eine eMail in der Folgendes stand: „…es freut mich Sie darüber in Kenntnis setzen zu dürfen, dass der Schlüssel für Ihre vorübergehende Accommodation zur Abholung im Camp bereit liegt. Das Sheraton Int. Hotel ist über Ihren check out informiert.“ Zum einen glaubte ich Herrn F. da nicht, dass es Ihm wirklich Freude bereit hat, denn er musste ja beim letzten Mal zurückstecken und zum anderen klingt der letzte Satz so: „… und wenn Sie nicht bereit sind auszuziehen, dann werden Sie vom Hotel rausgeschmissen!“ Leider musste ich kurze Zeit später feststellen, dass es ihm doch Freude bereitet hat, aber Schadenfreude. Am Samstagmorgen bin ich dann umgezogen – was blieb mir anderes übrig – und auf den ersten Blick sah zuerst auch alles in Ordnung aus. Neben meinem Zimmer befindet sich das Bügelzimmer, wo die Stewards – Nein Lothar, keine Frauen! – die Wäsche bügeln. Aus diesem Grund habe ich den unangenehmen beißenden Geruch in meiner Wohnung nicht richtig wahrgenommen bzw. war der Meinung, dass er aus dem anderen Zimmer kam.

Als ich dann am späten Nachmittag nach der Arbeit in mein Zimmer ging, durfte ich feststellen, dass der Geruch – ähnlich wie in einem Bahnhofsklo – aus meinem Zimmer kam. Und jetzt wusste ich, warum sich Herr F. so süffisant über die Vermittlung dieses Appartements an mich gefreut hatte. Wie würde mein Chef nun sagen: „Ein Schelm, wer böses dabei denkt!“ Auf der Suche nach der Quelle des Gestanks habe ich dann festgestellt, dass mein Kühlschrank Wasser verliert, das Geschirr, Besteck und Gläser verdreckt sind, das sich im Bad an vielen Stellen Schimmel befindet und das der Badezimmerschrank total versifft ist. Nun war es schon Samstagnachmittag und es gab keine Gelegenheit mich irgendwo darüber zu beschweren. Ich musste das gesamte Wochenende in dieser ekligen stinkenden Bude verbringen. Am heutigen Morgen war ich jedenfalls bedient und habe meinen Chef um die Auflösung meines Arbeitsverhältnisses gebeten, weil ich mich nicht weiter den Schikanen von Herrn F. aussetzen will. Damit dass nicht bei irgendjemand unter den Tisch fällt, wie es in solchen Unternehmen üblich ist, habe ich gleichzeitig unseren Executive Financial Director in Kopie gesetzt. Und das scheint richtig hohe Wellen zu schlagen…

*** Fortsetzung folgt ***

1 Kommentar 24.5.10 12:07, kommentieren

Wie man hier den Straßenverkehr regelt...

Vor einigen Tagen hat mir ein Arbeitskollege ein Video über einen einheimischen Polizisten gezeigt, der seinen Dienst tanzend ausübt. Irgendjemand hat ihn bei seiner Tätigkeit aufgezeichnet und das Ganze mit Musik hinterlegt. Ich würde es ja gerne hier veröffentlichen, aber zum einen ist die Datei 50 MB groß und es könnte Urheberrechte verletzen. Damit Ihr Euch eine Vorstellung davon machen könnt, habe ich bei youtube ein ähnliches Video gefunden, dass ebenfalls einen tanzenden Polizisten aus Nigeria zeigt. Wünsche Allen viel Spaß beim Schauen...
 

1 Kommentar 20.5.10 21:00, kommentieren

Der Usman Damm

Heute ist Sonntag, der 16.05.2010. Der Himmel ist stark bewölkt. Es sieht nach Regen aus, aber genauso gut können sich die Wolken hier in kurzer Zeit wieder auflösen. Warten wir es also einfach mal ab…

Gestartet wird der Tag mit einem schönen angenehmen Bad in der Wanne meines Hotelzimmers. Das ist genau das richtige Mittel nach einer warmen und verschwitzten Nacht, weil die Klimaanlage mal wieder  auf Höchstleistung minimalste Ergebnisse lieferte. Typisch nigerianisch halt! Und was passiert einem meistens, wenn man sich in der Badewanne befindet?! Richtig, das Telefon klingelt. In Deutschland wäre ich vermutlich patschnass durch die Butze geflitzt, aber hier hab ich es nach dem nigerianischen Motto gehalten: „Komm ich heut‘ nicht, komm ich morgen.“

Nach dem entspannenden Bad kurz in meine bequemen Klamotten gesprungen und ab zu einem ausgiebigen und gemütlichen Frühstück. Aber es sollte anders kommen… Wo sich sonst in dem Frühstückssaal maximal 10 Gäste befanden, waren an diesem Tag alle Tische besetzt und das mit – für dieses Land nicht ganz so ungewöhnlich – stark pigmentierten Personen. In der Regel ist das kein Problem für mich, wenn da nicht der Ruf der Nigerianer gewesen wäre: „Die essen alles, was Ihnen vor die Futterluke kommt!“ Und ich durfte feststellen, dass dieses Image der Wahrheit entspricht.  Dort, wo es sonst fünf verschiedene Fruchtsäfte in zwei Liter Kannen gab, waren diese prall gefüllt mit Luft. Auf der rechten Seite mit dem drei Meter langen Müsli- und Früchte-Buffet glänzten die leeren Obstplatten wie abgeleckt, während auf der linken Seite das drei Meter lange Buffet mit Fleisch, Wurst, Käse, Fisch und Salaten ebenso kahl gefressen war. Wenigstens konnte ich mir noch fünf frisch gegrillte Mini-Würstchen und ein Omelette aus den letzten drei Eiern erkämpfen.

Zwischen 12 Uhr und 13 Uhr wurde ich von meinem Arbeitskollegen Egbert, Antonia und einer mir bis dato unbekannten Nigerianerin namens Joyce am Sheraton Hotel abgeholt. Egbert hatte mich vor ein paar Tagen schon vorgewarnt, dass Antonia ihre Freundin mitbringen wird. Da ich noch das Markenzeichen „Fresh Fish“ besitze, wie man hier die neuen Mitarbeiter bezeichnet, sind Verkuppelungsaktionen nichts Außergewöhnliches. Aber das war mir einfach egal. Ich war heilfroh, dass ich nach fast zwei Wochen in meinem Hotelzimmer ein paar Menschen um mich rum hatte und trotz gebrochenem Fuß auch mal heraus kam. Nun geht’s auf zum Usman Damm! *freu*

=>Usman Damm (Google-Maps)

Auf dem Weg zu unserem Ziel nutzen wir den vier-spurigen „Expressway“, vergleichbar mit einer Autobahn in Deutschland. Nur, dass hier keine Regeln gelten. Es wird rechts überholt, es wird links überholt, Geisterfahrer sind keine Seltenheit und oft dreht irgendein Nigerianer mitten auf der Fahrbahn um, weil er festgestellt hat, dass er in die falsche Richtung fährt. Tempo-Limits gibt es hier auch nicht bzw. bisher habe ich noch keine gesehen. Aber Erzählungen zur Folge kann es passieren, dass die einheimische Polizei, wenn sie mal wieder ihr Gehalt nicht bekommen hat, Geschwindigkeitsmessungen mit manipulierten Laserpistolen vornimmt und uns „Ogger“ – reiche Männer – zur Kasse bittet.

Während der Fahrt sind wir an einer Stelle vorbei gekommen, wo Felsbrocken, so groß wie PKWs, rechts und links neben der Straße lagen. An dieser Stelle hatte eine Konkurrenzfirma namens „Dantata“ Sprengungen für den Straßenbau durchgeführt. Dabei hatte sich der Sprengmeister anscheinend so stark verrechnet, dass die komplette Straße mit den riesigen Brocken verschüttet worden ist. Einige davon ließen sich so nicht abtransportieren, dass sie lediglich von der Fahrbahn geschoben wurden, um dem Verkehr freie Fahrt zu ermöglichen. Leider konnte ich meine Fotokamera nicht schnell genug aus meinen Rucksack kramen, um diesen Anblick zu fotografieren.

Nach kurzer Zeit merkt man sehr schnell, dass man sich außerhalb von Abuja befindet, denn die Zahl der „Okadas“ – den einheimischen Motorradfahrern – nimmt stark zu. Ich bin heilfroh, dass ich die Strecke nicht selbst fahren muss. Die Straße war gespickt mit Bremshügeln und Schlaglöchern, die man wegen ihrer Tiefe oft nur umfahren konnte in dem man in den Gegenverkehr lenkt. Dazu kommen die „Okadas“, welche einen rechts und links überholen, sowie  die Personen am Straßenrand, welche die Straße passieren wollen, die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge nicht einschätzen können und häufig völlig unberechenbar loslaufen.

Dreißig Minuten später erreichen wir ein Tor, dass uns die Weiterfahrt versperrt. Ein Wachmann in verschlissener, dunkelblauer Uniform kommt auf uns zu und wir müssen uns in eine Art Gästebuch eintragen. Danach können weiter fahren. Doch 1000 Meter weiter sehen wir bereits ein zweites Tor, aber keine Hütte und keinen Wachmann. Hm, da werden wir es wohl selbst öffnen können, denke ich noch, als plötzlich aus dem Busch am Wegesrand ein anderer Wachmann auftaucht. Auch hier müssen wir uns wieder in ein Buch eintragen und können ohne Probleme passieren.

Nach wenigen 100 Metern endet die Straße und wir fahren auf einem Feldweg weiter bergauf. Um uns herum sieht man nur noch den Busch und je weiter wir vorstoßen, desto größer und tiefer werden die Schlaglöcher in dem Weg. Ich bin erstaunt, dass der VW Passat vom Egbert nie aufsetzt. Wir umfahren einen großen Granithügel, auf dem noch wilde Affen leben sollen. Diesmal halte ich die Kamera im Anschlag, aber leider bekomme ich keinen davon vor die Linse. Wenig später erreichen wir ein weiteres abgesperrtes Areal und werden von der firmeneigenen Security mehr als freundlich begrüßt.

=> JBN Grillplatz (Google-Maps)

Das JBN Areal macht auch den ersten Blick einen sehr gepflegten Eindruck. Der Rasen ist kurzgeschnitten und auf der Wiese stehen mehrere dickstämmige Palmen. Es gibt zwei mit Ventilatoren ausgestattete Pavillons und einige Grillecken. Weiter hinten stehen ein paar Rundhütten, die man auch zum Übernachten nutzen könnte, sowie ein Bootshaus in dem einige vergammelte Boote und ein schrottreifer Catamaran gelagert werden. Schade, denn das Segeln auf dem See hätte bestimmt riesigen Spaß gemacht. Das Ufer des Geländes ist an dieser Stelle relativ steil, aber dafür gibt es einen Steg, der circa zehn Meter auf den See hinaus führt und einen tollen Blick auf die Umgebung ermöglicht.

 Ausblick nach links
 
Ausblick geradeaus
 
Ausblick nach rechts
 
Das Bootshaus

Bei unserem Ausflug haben wir nicht damit gerechnet, dass auch andere die Idee haben könnten zum Usman Damm zu fahren. Jedenfalls fanden wir alle Plätze bereits belegt vor, so dass uns erst einmal nichts anderes übrig blieb als uns ein Plätzchen im Schatten einer Palme zu suchen. Denn die Wolken hatten sich verzogen und die Sonne brannte gnadenlos runter. Es war so warm, dass es schwierig war der verlockenden Abkühlung im See zu widerstehen. Das Schwimmen in stehenden Gewässern ist in den Tropen aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass die Larven eines Wurms über die Haut in den Körper eindringen und sich in den Organen zu ausgewachsenen Würmern entwickeln. Allein der Gedanke daran, dass sich dann Würmer in meinem Körper befinden, lässt bei mir alle Gedanken an ein erfrischendes Bad absterben.

=> Fit-For-Travel

=> Auswertiges Amt

=> Spiegel-Bericht

Da wir aufgrund des Massenandrangs vorerst nur Warten konnten bis etwas frei wird, habe ich angefangen mit der Kamera ein paar Motive aufs Korn zu nehmen. Ich wäre ja gerne etwas in der Gegend rumgestreunert, aber mit dem gebrochenen Fuß war das leider nicht möglich.

Fulanis mit ihrer Herde am Wasser (Entfernung: ca. 200m)
 
Baum voller weißer Vögel (Entfernung: ca. 150m)
 
Wo steckt der Reiher? (Entfernung: ca. 100m)
 
Mann im Einbaum
 
Granithügel auf dem Affen leben sollen

Normalerweise sind Besucher am Usman Damm nie lange da. Aber die Gruppe, die vor uns da war, hatte  richtiges Sitzfleisch bewiesen. Mit der Zeit wurden die Mädels echt quängelig und wir haben uns dazu entschlossen, daheim im Life Camp zu essen. Die folgenden Bilder habe ich auf dem Heimweg geschossen.

Usman Damm

Usman Damm (andere Seite)

Joyce & Antonia

Vermutlich ein Reifenhändler

Gemüsehändler

Ein alter amerikanischer Truck 

Auch wenn der Ausflug zum Usman Damm nicht wie geplant verlief, so war ich froh mal etwas von der Natur Nigerias entdecken zu können. In Egberts Wohnung haben wir dann den Abend bei einem gemütlichen Essen ausklingen lassen…

 

1 Kommentar 18.5.10 22:00, kommentieren

Welcome to Abuja

Hier habe ich ein Video über die Hauptstadt Nigerias gefunden:
 
Ein weiteres Video "Abuja - Juwel of Africa" in besserer Qualität:

An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Videos nicht mal annähernd ein Bild von Abuja abgeben. Deshalb sieht man auch nie irgendwelche Nahaufnahmen der Wohnhäuser. Und die Gegend mit den Wohnhäusern und den grünen Dächern nennt sich "Modell City"! Dient lediglich Promotionzwecken, dem Verkauf und sah von außen nicht bewohnt aus. Wohnraum ist hier unheimlich teuer. Für ein Häuschen, was in Deutschland als schlicht bezeichnet wird und nix bietet, müssen 2500,- Dollar bis 3500,- Dollar Miete hingeblättert werden. So jedenfalls hat man mir das erzählt. Ob es stimmt ist eine andere Sache... emotion Das Problem ist lediglich, dass von der Bevölkerung unheimlich viele in Armut leben oder maximal 100,- € bis 200,- € im Monat verdienen. Folglich sind hier etliche Wohnungen und Häuser leerstehend und trotzdem wird hier weiterhin gebaut, obwohl keine Nachfrage vorhanden ist.

1 Kommentar 18.5.10 22:05, kommentieren

Entschuldigung

Hiermit entschuldige ich mich bei allen, die sehnlichst erfahren möchten, wie es mir hier in Nigeria ergeht. Ich habe es nicht vergessen und Euch auch nicht. In meinem ersten Monat hier in Afrika, hatte ich mit einigen Dingen zu kämpfen. Der Temperaturunterschied von 10 Grad in Deutschland nach 40 Grad hier, wo anfangs noch die Trockenzeit herrschte, macht einem genauso heftig zu schaffen, wie die Arbeitszeiten von 7 Uhr bis 18 Uhr und die ganzen anderen neuen Eindrücke, die teils spannend, teils überraschend und teils erschreckend sind. Das führte dazu, dass ich oft schon ab 21 Uhr kaum noch meine Augen offen halten, geschweige denn einen klaren Gedanken fassen konnte, um mich diesem Blog zu widmen. Aber ich habe mir immer ein paar Notizen gemacht und werde Euch jetzt nach und nach erzählen, wie es mir im letzten Monat ergangen ist. Positives, wie negatives...
 
Zum Abschluss sei noch gesagt: "Ich vermisse Euch alle!"
 
 

2 Kommentare 13.5.10 10:24, kommentieren