Der Usman Damm

Heute ist Sonntag, der 16.05.2010. Der Himmel ist stark bewölkt. Es sieht nach Regen aus, aber genauso gut können sich die Wolken hier in kurzer Zeit wieder auflösen. Warten wir es also einfach mal ab…

Gestartet wird der Tag mit einem schönen angenehmen Bad in der Wanne meines Hotelzimmers. Das ist genau das richtige Mittel nach einer warmen und verschwitzten Nacht, weil die Klimaanlage mal wieder  auf Höchstleistung minimalste Ergebnisse lieferte. Typisch nigerianisch halt! Und was passiert einem meistens, wenn man sich in der Badewanne befindet?! Richtig, das Telefon klingelt. In Deutschland wäre ich vermutlich patschnass durch die Butze geflitzt, aber hier hab ich es nach dem nigerianischen Motto gehalten: „Komm ich heut‘ nicht, komm ich morgen.“

Nach dem entspannenden Bad kurz in meine bequemen Klamotten gesprungen und ab zu einem ausgiebigen und gemütlichen Frühstück. Aber es sollte anders kommen… Wo sich sonst in dem Frühstückssaal maximal 10 Gäste befanden, waren an diesem Tag alle Tische besetzt und das mit – für dieses Land nicht ganz so ungewöhnlich – stark pigmentierten Personen. In der Regel ist das kein Problem für mich, wenn da nicht der Ruf der Nigerianer gewesen wäre: „Die essen alles, was Ihnen vor die Futterluke kommt!“ Und ich durfte feststellen, dass dieses Image der Wahrheit entspricht.  Dort, wo es sonst fünf verschiedene Fruchtsäfte in zwei Liter Kannen gab, waren diese prall gefüllt mit Luft. Auf der rechten Seite mit dem drei Meter langen Müsli- und Früchte-Buffet glänzten die leeren Obstplatten wie abgeleckt, während auf der linken Seite das drei Meter lange Buffet mit Fleisch, Wurst, Käse, Fisch und Salaten ebenso kahl gefressen war. Wenigstens konnte ich mir noch fünf frisch gegrillte Mini-Würstchen und ein Omelette aus den letzten drei Eiern erkämpfen.

Zwischen 12 Uhr und 13 Uhr wurde ich von meinem Arbeitskollegen Egbert, Antonia und einer mir bis dato unbekannten Nigerianerin namens Joyce am Sheraton Hotel abgeholt. Egbert hatte mich vor ein paar Tagen schon vorgewarnt, dass Antonia ihre Freundin mitbringen wird. Da ich noch das Markenzeichen „Fresh Fish“ besitze, wie man hier die neuen Mitarbeiter bezeichnet, sind Verkuppelungsaktionen nichts Außergewöhnliches. Aber das war mir einfach egal. Ich war heilfroh, dass ich nach fast zwei Wochen in meinem Hotelzimmer ein paar Menschen um mich rum hatte und trotz gebrochenem Fuß auch mal heraus kam. Nun geht’s auf zum Usman Damm! *freu*

=>Usman Damm (Google-Maps)

Auf dem Weg zu unserem Ziel nutzen wir den vier-spurigen „Expressway“, vergleichbar mit einer Autobahn in Deutschland. Nur, dass hier keine Regeln gelten. Es wird rechts überholt, es wird links überholt, Geisterfahrer sind keine Seltenheit und oft dreht irgendein Nigerianer mitten auf der Fahrbahn um, weil er festgestellt hat, dass er in die falsche Richtung fährt. Tempo-Limits gibt es hier auch nicht bzw. bisher habe ich noch keine gesehen. Aber Erzählungen zur Folge kann es passieren, dass die einheimische Polizei, wenn sie mal wieder ihr Gehalt nicht bekommen hat, Geschwindigkeitsmessungen mit manipulierten Laserpistolen vornimmt und uns „Ogger“ – reiche Männer – zur Kasse bittet.

Während der Fahrt sind wir an einer Stelle vorbei gekommen, wo Felsbrocken, so groß wie PKWs, rechts und links neben der Straße lagen. An dieser Stelle hatte eine Konkurrenzfirma namens „Dantata“ Sprengungen für den Straßenbau durchgeführt. Dabei hatte sich der Sprengmeister anscheinend so stark verrechnet, dass die komplette Straße mit den riesigen Brocken verschüttet worden ist. Einige davon ließen sich so nicht abtransportieren, dass sie lediglich von der Fahrbahn geschoben wurden, um dem Verkehr freie Fahrt zu ermöglichen. Leider konnte ich meine Fotokamera nicht schnell genug aus meinen Rucksack kramen, um diesen Anblick zu fotografieren.

Nach kurzer Zeit merkt man sehr schnell, dass man sich außerhalb von Abuja befindet, denn die Zahl der „Okadas“ – den einheimischen Motorradfahrern – nimmt stark zu. Ich bin heilfroh, dass ich die Strecke nicht selbst fahren muss. Die Straße war gespickt mit Bremshügeln und Schlaglöchern, die man wegen ihrer Tiefe oft nur umfahren konnte in dem man in den Gegenverkehr lenkt. Dazu kommen die „Okadas“, welche einen rechts und links überholen, sowie  die Personen am Straßenrand, welche die Straße passieren wollen, die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge nicht einschätzen können und häufig völlig unberechenbar loslaufen.

Dreißig Minuten später erreichen wir ein Tor, dass uns die Weiterfahrt versperrt. Ein Wachmann in verschlissener, dunkelblauer Uniform kommt auf uns zu und wir müssen uns in eine Art Gästebuch eintragen. Danach können weiter fahren. Doch 1000 Meter weiter sehen wir bereits ein zweites Tor, aber keine Hütte und keinen Wachmann. Hm, da werden wir es wohl selbst öffnen können, denke ich noch, als plötzlich aus dem Busch am Wegesrand ein anderer Wachmann auftaucht. Auch hier müssen wir uns wieder in ein Buch eintragen und können ohne Probleme passieren.

Nach wenigen 100 Metern endet die Straße und wir fahren auf einem Feldweg weiter bergauf. Um uns herum sieht man nur noch den Busch und je weiter wir vorstoßen, desto größer und tiefer werden die Schlaglöcher in dem Weg. Ich bin erstaunt, dass der VW Passat vom Egbert nie aufsetzt. Wir umfahren einen großen Granithügel, auf dem noch wilde Affen leben sollen. Diesmal halte ich die Kamera im Anschlag, aber leider bekomme ich keinen davon vor die Linse. Wenig später erreichen wir ein weiteres abgesperrtes Areal und werden von der firmeneigenen Security mehr als freundlich begrüßt.

=> JBN Grillplatz (Google-Maps)

Das JBN Areal macht auch den ersten Blick einen sehr gepflegten Eindruck. Der Rasen ist kurzgeschnitten und auf der Wiese stehen mehrere dickstämmige Palmen. Es gibt zwei mit Ventilatoren ausgestattete Pavillons und einige Grillecken. Weiter hinten stehen ein paar Rundhütten, die man auch zum Übernachten nutzen könnte, sowie ein Bootshaus in dem einige vergammelte Boote und ein schrottreifer Catamaran gelagert werden. Schade, denn das Segeln auf dem See hätte bestimmt riesigen Spaß gemacht. Das Ufer des Geländes ist an dieser Stelle relativ steil, aber dafür gibt es einen Steg, der circa zehn Meter auf den See hinaus führt und einen tollen Blick auf die Umgebung ermöglicht.

 Ausblick nach links
 
Ausblick geradeaus
 
Ausblick nach rechts
 
Das Bootshaus

Bei unserem Ausflug haben wir nicht damit gerechnet, dass auch andere die Idee haben könnten zum Usman Damm zu fahren. Jedenfalls fanden wir alle Plätze bereits belegt vor, so dass uns erst einmal nichts anderes übrig blieb als uns ein Plätzchen im Schatten einer Palme zu suchen. Denn die Wolken hatten sich verzogen und die Sonne brannte gnadenlos runter. Es war so warm, dass es schwierig war der verlockenden Abkühlung im See zu widerstehen. Das Schwimmen in stehenden Gewässern ist in den Tropen aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass die Larven eines Wurms über die Haut in den Körper eindringen und sich in den Organen zu ausgewachsenen Würmern entwickeln. Allein der Gedanke daran, dass sich dann Würmer in meinem Körper befinden, lässt bei mir alle Gedanken an ein erfrischendes Bad absterben.

=> Fit-For-Travel

=> Auswertiges Amt

=> Spiegel-Bericht

Da wir aufgrund des Massenandrangs vorerst nur Warten konnten bis etwas frei wird, habe ich angefangen mit der Kamera ein paar Motive aufs Korn zu nehmen. Ich wäre ja gerne etwas in der Gegend rumgestreunert, aber mit dem gebrochenen Fuß war das leider nicht möglich.

Fulanis mit ihrer Herde am Wasser (Entfernung: ca. 200m)
 
Baum voller weißer Vögel (Entfernung: ca. 150m)
 
Wo steckt der Reiher? (Entfernung: ca. 100m)
 
Mann im Einbaum
 
Granithügel auf dem Affen leben sollen

Normalerweise sind Besucher am Usman Damm nie lange da. Aber die Gruppe, die vor uns da war, hatte  richtiges Sitzfleisch bewiesen. Mit der Zeit wurden die Mädels echt quängelig und wir haben uns dazu entschlossen, daheim im Life Camp zu essen. Die folgenden Bilder habe ich auf dem Heimweg geschossen.

Usman Damm

Usman Damm (andere Seite)

Joyce & Antonia

Vermutlich ein Reifenhändler

Gemüsehändler

Ein alter amerikanischer Truck 

Auch wenn der Ausflug zum Usman Damm nicht wie geplant verlief, so war ich froh mal etwas von der Natur Nigerias entdecken zu können. In Egberts Wohnung haben wir dann den Abend bei einem gemütlichen Essen ausklingen lassen…

 

18.5.10 22:00

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