Schikane im Unternehmen

Leider muss ich Euch mitteilen, dass ich Euch zukünftig keine Geschichten mehr über das Projekt Nigeria erzählen kann. Am heutigen Morgen habe ich meinen Vorgesetzten um die Auflösung meines Arbeitsverhältnisses gebeten.

Folgendes hat sich zugetragen:

Angefangen hatte alles in der Woche vor dem Beachvolleyballturnier, wo ich mir unglücklicherweise den Fuß habe brechen lassen. Ein gewisser Herr F. – zuständig für die Camp Belegungen in Abuja – hatte mich an dem Freitag kontaktiert und mir wurde mitgeteilt, dass im Utako Camp – ein noch im Aufbau befindliches Camp (kurz: eine einzig große Baustelle) – ein Appartement für mich zur Verfügung steht. Ich sollte doch bitte aus dem Sheraton Hotel ausziehen und dort in die freistehende Hütte einziehen. Mein Arbeitskollege gab mir den Hinweis, dass ich mir die Unterkunft zuerst einmal anschauen sollte. Denn es gab in der Vergangenheit bereits verschiedene Leute, die aufgrund unterschiedlichster Gründe ihre angebotene Unterkunft abgelehnt hätten. Deshalb habe ich zuerst den Schlüssel abgeholt. Herr F. meinte noch zu mir, dass wäre eine schöne und ruhige – Betonung auf ruhig! – Unterkunft für mich.

Also bin ich mit meinem Fahrer direkt hin zu der Hütte und hab mir das Ganze angesehen. Es handelte sich dabei, um eine Hütte aus zwei Schiffscontainern auf die ein Dach gezimmert worden ist. Von der Raumaufteilung nur halb so groß wie mein Zimmer im Sheraton Hotel. Um an den Kleiderschrank zu kommen, hätte ich über das Bett steigen und die Stühle auf den Tisch stellen müssen, da man den Schrank sonst nicht hätte öffnen können. Mit meinen zwei Koffern und der Reisetasche hätte ich mich da drin nicht mal mehr umdrehen können. Aber um noch mal auf das Thema Ruhe zu kommen: Die Hütte lag keine drei Meter von der Außenmauer des Utako Camps entfernt, wo sich auf der anderen Seite eine Hauptverkehrsstraße befindet. Ich weiß nicht, ob ich das bereits erwähnt habe, aber in Nigeria ist die Hupe eines Autos weitaus wichtiger als eine funktionierende Bremse. Das ist aber noch nicht alles! Auf der anderen Straßenseite befindet sich der „Wuse“-Markt, d.h. da ist täglich – auch am Wochenende – von 7 Uhr morgens bis abends um 22 Uhr Hochbetrieb. Dazu kommt, dass es in der näheren Umgebung des Appartements weder einen Supermarkt, noch irgendein Restaurant vorhanden ist und ich auch noch nicht im Besitz eines eigenen Führerscheines war. Mal eben etwas Essen holen am Wochenende hätte schon überhaupt nicht geklappt und mein Fahrer hat schließlich sonntags ebenfalls frei. Den wollte ich nicht dazu nötigen, dass er mich dann rumkutschiert. Mag sein, dass manche hier damit kein Problem haben, seinen Fahrer zu so etwas auszunutzen, aber ich gehöre bestimmt nicht dazu. Jedenfalls habe ich daraufhin Herrn F. eine eMail gesendet, mich darin für die angebotene Unterkunft bedankt und abgelehnt. Das hat dem gar nicht gefallen! Ich kann auch nicht verstehen warum, weil es gab mindestens noch 20 weitere Personen im Sheraton Hotel, denen er die Unterkunft hätte anbieten können, aber stattdessen hat er mir in einer ziemlich pampigen Art klar gemacht, dass dies hier keine Wunschfirma wäre und ich doch bitte umziehen möge. Wer mich kennt, der weiß, dass ich auf so eine Tonart sehr allergisch reagiere – Schöne Grüße an dieser Stelle an meinen Ex-Kollegen Herrn Kreft – und deshalb habe ich diese eMail ignoriert.

An dem darauf folgenden Wochenende brach ich mir unglücklicherweise beim Beachvolleyball den Fuß – das ist aber eine ganz andere Geschichte. Jedenfalls habe ich meinen Fahrer am Dienstag zur Camp Administration geschickt und ihn gebeten den Schlüssel zurück zu geben. Der arme Kerl wusste nicht was er tun sollte, denn bei der Administration haben sie ihn mit dem Schlüssel wieder zurück geschickt und er hatte ein schlechtes Gewissen, dass er seine Aufgabe nicht erledigt hat. Ich musste ihm erst einmal klar machen, dass er nichts falsch gemacht hat und ich glaube er hat es nachher auch so verstanden. Kurze Zeit später ging bei mir das Telefon und Herr F. war am Telefon. Zuerst war er ganz freundlich und er versuchte mir zu erklären, dass das nur eine Übergangslösung für zwei bis drei Wochen wäre – mir war zu diesem Zeitpunkt allerdings bekannt, dass andere Personen mehrere Monate da drin untergebracht waren – und das er mir ja nichts Böses wollte. Er würde ja nur Befehle ausführen und so… Als ich darauf nicht reagiert habe, hat er seine Taktik gewechselt und zu mir gesagt, dass man im Life Camp keine Quertreiber mag und wenn ich jetzt nicht spuren würde, dann würde er mich auf der Warteliste für das Life Camp ganz nach hinten setzen. Aber auch erpressen lasse ich mich nicht! Ich wusste bereits, dass ich mich auf dieser besagten Liste an Position 17 oder 18 befand. Was Herr F. nicht wusste, ist, dass es für einen Mitarbeiter der IT genügend Mittel und Wege gibt, diese, als geheim eingestufte, Liste einzusehen. Nach dem Telefonat hat es keine 30 Minuten gedauert und da hab ich mich an letzter Stelle der Warteliste wieder gefunden.

Nun hatte ich mir ja den Fuß gebrochen und ich habe versucht den Leuten hier klar zu machen, dass ich im Moment nicht in der Lage wäre, den Umzug durchzuführen, weil später die Selbstversorgung eine erhöhte Belastung darstellen würde. Schließlich müsste ich von nun an einkaufen gehen, ich müsste zu Fuß zu den Supermärkten, weil ich ja noch keinen Führerschein hab, noch keinen Fernseher hab und auch sonst total von der Außenwelt abgeschnitten wäre. Im Hotel bräuchte ich das nicht, weil man sich das Essen aufs Zimmer kommen lassen kann. Dementsprechend wäre mein Fuß keiner erhöhten Belastung ausgesetzt gewesen und der Heilungsprozess wäre schneller von statten gegangen. Die Antwort von Herrn F. war: „… Sicher verstehen Sie, dass das Argument Sie haben einen gebrochenen Zeh nicht ernst genommen werden kann. …“ und „…Die bisher entstanden Mehrkosten für fünf zusätzliche Tage im Sheraton werden wir Ihnen noch nicht belasten! …“. Das war schon echt unverschämt! Ich hatte permanent Schmerzen beim Laufen, trotzdem war ich im Büro und ich habe weiterhin meine Arbeit gemacht. Daraufhin hat sich mein Vorgesetzter eingeschaltet und hat darauf hingewiesen, dass er froh ist, dass ich arbeiten komme und, dass der Umzug sowie die anschließende Eigenorganisation den Heilungsprozess negativ beeinflussen könnten. In der Antwort teilte uns Herr F. mit, dass es genug Personal gäbe, welches mich beim Umzug unterstützen würde und gefolgt von dem Satz – ich zitiere: „Schelchte Polemik bitte ich bei künftiger Konversation zu unterlassen.“ (Den Rechtschreibfehler habe ich jetzt nicht extra eingebaut!) Egal, was ich an Argumentation vorbrachte, es half nichts. Ich war zum Umzug gezwungen. An dieser Stelle habe ich das erste Mal mit dem Gedanken gespielt, das Projekt „Nigeria“ hinzuschmeißen. Zum Glück kam am Abend vor dem Umzug eine Mail vom Vorgesetzten von Herrn F., in der kurz gesagt, bestimmt wurde, dass ich im Hotel bleiben darf, solange der Heilungsprozess – nach ärztlicher Aussage 4 bis 6 Wochen! – nicht vollständig beendet ist.

Das Glück währte nicht lange. 2,5 Wochen später bekam ich von Herrn F. wieder eine eMail in der Folgendes stand: „…es freut mich Sie darüber in Kenntnis setzen zu dürfen, dass der Schlüssel für Ihre vorübergehende Accommodation zur Abholung im Camp bereit liegt. Das Sheraton Int. Hotel ist über Ihren check out informiert.“ Zum einen glaubte ich Herrn F. da nicht, dass es Ihm wirklich Freude bereit hat, denn er musste ja beim letzten Mal zurückstecken und zum anderen klingt der letzte Satz so: „… und wenn Sie nicht bereit sind auszuziehen, dann werden Sie vom Hotel rausgeschmissen!“ Leider musste ich kurze Zeit später feststellen, dass es ihm doch Freude bereitet hat, aber Schadenfreude. Am Samstagmorgen bin ich dann umgezogen – was blieb mir anderes übrig – und auf den ersten Blick sah zuerst auch alles in Ordnung aus. Neben meinem Zimmer befindet sich das Bügelzimmer, wo die Stewards – Nein Lothar, keine Frauen! – die Wäsche bügeln. Aus diesem Grund habe ich den unangenehmen beißenden Geruch in meiner Wohnung nicht richtig wahrgenommen bzw. war der Meinung, dass er aus dem anderen Zimmer kam.

Als ich dann am späten Nachmittag nach der Arbeit in mein Zimmer ging, durfte ich feststellen, dass der Geruch – ähnlich wie in einem Bahnhofsklo – aus meinem Zimmer kam. Und jetzt wusste ich, warum sich Herr F. so süffisant über die Vermittlung dieses Appartements an mich gefreut hatte. Wie würde mein Chef nun sagen: „Ein Schelm, wer böses dabei denkt!“ Auf der Suche nach der Quelle des Gestanks habe ich dann festgestellt, dass mein Kühlschrank Wasser verliert, das Geschirr, Besteck und Gläser verdreckt sind, das sich im Bad an vielen Stellen Schimmel befindet und das der Badezimmerschrank total versifft ist. Nun war es schon Samstagnachmittag und es gab keine Gelegenheit mich irgendwo darüber zu beschweren. Ich musste das gesamte Wochenende in dieser ekligen stinkenden Bude verbringen. Am heutigen Morgen war ich jedenfalls bedient und habe meinen Chef um die Auflösung meines Arbeitsverhältnisses gebeten, weil ich mich nicht weiter den Schikanen von Herrn F. aussetzen will. Damit dass nicht bei irgendjemand unter den Tisch fällt, wie es in solchen Unternehmen üblich ist, habe ich gleichzeitig unseren Executive Financial Director in Kopie gesetzt. Und das scheint richtig hohe Wellen zu schlagen…

*** Fortsetzung folgt ***

24.5.10 12:07

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