Schikane im Unternehmen - Teil II - (Ernüchterung am Tag danach...)

Hm, die hohen Wellen haben sich hier eher als kleine Wellchen entpuppt. Nachdem ich die Mail am Montag an meinen Chef und das Top-Management gesendet habe, gab es kurzfristig ein emsiges hin und her Gerenne auf meinem Flur, weil mein Büro direkt gegenüber dem Personalbüro liegt. Was sich dort jedoch zugetragen hat, weiß ich nicht. Aber der Chef von Herrn F. war dabei. Kurze Zeit später durfte ich bei meinem Chef antreten und durfte Rede und Antwort stehen. Was mich etwas beruhigt hat, nach dem er die Fakten vorliegen hatte, teilte er mir mit, dass er aus persönlicher Sicht ebenso gehandelt hätte und das es ihm aus der Sicht als Vorgesetzter leid tut, was da vorgefallen ist und er es bedauert. Gleichzeitig sagte er mir aber auch, dass er selbst machtlos dagegen ist, weil Herr F. hier einen fast unantastbaren Status genießt. Gerüchten zur Folge – das hab ich jetzt nicht von meinem Chef – weiß Herr F. aufgrund seiner Position einfach zu viel über gewisse Personen. Auch von Personen aus dem Top-Management und kann deshalb tun und lassen was er will. Beispielsweise gibt es hier ein Gerücht, dass besagt, dass in einer nächtlichen Aktion Prostituierte im Kofferraum eines oder mehrerer Fahrzeuge in das Life Camp geschmuggelt wurden, denn jede Durchfahrt durch das Tor zum Life Camp wird genauestens protokolliert. Besonders, wenn eine schwarze Frau neben einem weißen Mitarbeiter in das Camp reinfährt. Deshalb die Kofferraum-Aktion. Und wenn er von solchen Sachen weiß, dann ist es mit großer Wahrscheinlichkeit Herr F., weil ihm nämlich alle nigerianischen Mitarbeiter im Life Camp unterstellt sind und für ein bisschen Extra-Kohle tun die hier alles – Betonung auf ALLES! Aber wie gesagt, dass ist nur ein Gerücht!

Jedenfalls wurde beschlossen, dass nach dem Essen eine Besichtigung meiner Unterkunft mit Herrn F., seinem Chef-Chef, meinem Chef und mir erfolgen sollte. (Es gibt hier noch viel mehr Chefs, dass manchmal die Frage aufkommt, wer denn eigentlich die Arbeit macht! ) Damit Herr F. nicht intervenieren konnte, wurde er über den Grund der Besichtigung im Unklaren gelassen. Denn mit einem Anruf bei einem seiner nigerianischen Jungs hätte er dafür sorgen können, dass die Mängel in dem Zimmer vorher beseitigt würden. Also bin ich nach dem Essen direkt zur Wohnung und hab mir noch mal alles angesehen. Leider hatte mein Steward seine Aufgaben schon erledigt, d.h. das verdreckte Geschirr und Besteck waren sauber und der Gestank kaum noch vorhanden. Vermutlich hatte der Steward den Raum gelüftet. Der Schimmel, der defekte Kühlschrank und der versiffte Badezimmerschrank waren aber immer noch vorhanden. Anschließend bin ich raus aus dem Zimmer, habe abgeschlossen und es mir auf einem Stuhl davor bequem gemacht. Zuerst war Herr F. vor Ort und als er mich sah, konnte man an seinem Blick erkennen, dass es jetzt unangenehm für ihn werden könnte. Beim Betreten des Flurs hat er alle anwesenden Nigerianer gegrüßt, die ihn in unterwürfiger Körperhaltung mit „Master“ zurückgegrüßt haben. Ich wurde dagegen gekonnt ignoriert, aber das war egal, denn geantwortet hätte ich eh nicht. Stattdessen habe ich ihn ganz relaxt angeschaut und nicht aus den Augen gelassen. Man konnte sehen, dass es ihm unangenehm wurde und wenige Augenblicke später ist er zur nächsten Etage hoch, kam wenige Minuten wieder runter, ist raus vor die Tür und lief dort dann ziemlich nervös im Kreis. Irgendwann später kamen dann unsere Chefs hinzu und die Besichtigung ging los. Mein Steward war auch da und hat Panik geschoben, dass er irgendetwas falsch gemacht hätte. Habe versucht ihm zu erklären, dass es nicht sein Fehler ist, aber so richtig hat er das wohl nicht verstanden. Auch wenn der Geruch arg geschwächt war, so hat – Gott sei Dank – auch der Chef von Herrn F. die Nase gerümpft und mir mitgeteilt, dass er auch nicht in so einem Geruch leben möchte. Auch bei allen anderen Punkten, die bemängelt wurden, hat er zugestimmt, dass diese umgehend – sprich heute – zu beseitigen wären. Herr F. hat alles fleißig in seinem Notizblock notiert und seinem Chef auf ziemlich unterwürfige Art beigepflichtet. Gleichzeitig kam eine faule Ausrede von Herrn F., dass dies hier die 3. Welt ist und ich doch keinen deutschen Standard erwarten könnte. Stellt sich mir nur die Frage, warum die anderen Wohnungen in diesem Gebäude sauber und ohne Schimmel sind oder warum man mir beim Einstellungsgespräch versichert hat, dass die Unterkünfte der Mitarbeiter deutschem Standard entsprechen. Sogar auf dem Werbe-Video „Take Your Chance“ wurde damit geworben. Letztendlich wurde vom Chef von Herrn F. beschlossen, dass alles in Ordnung gebracht wird. Aber zu dem Vorwurf der Schikane wollte er sich nicht äußern, geschweige denn genau wissen, was vorgefallen ist. Da wusste ich Bescheid, dass die – nach deutschem Recht eindeutig definierte – versuchte Nötigung durch den Erpressungsversuch mit der Life Camp Belegungsliste in diesem Unternehmen unter den Tisch gekehrt werden wird. Also hieß es für mich erst einmal abwarten, was noch alles passiert. Wenn die Probleme schnell beseitigt würden, dann wäre ich schon mit diesem Teilerfolg zufrieden gewesen und ich habe damit ja auch Herrn F. klar gemacht, dass ich nicht gewillt bin sein Opfer zu spielen…

Als ich am Abend dann in mein Zimmer kam, durfte ich feststellen, dass überhaupt nichts beseitigt worden ist. In der Deckenlampe lagen weiterhin die toten Insekten, der Schimmel und der Geruch haben mich weiterhin willkommen geheißen. Aber wenigstens vor dem Badezimmerschrank musste ich mich nicht mehr ekeln. Benutzen werde ich den trotzdem nicht. Beim Gedanken daran schüttelt es mich schon wieder. Naja, dachte ich, vielleicht war es in der kurzen Zeit nicht möglich etwas zu tun. Morgen sollte ja der Kühlschrank getauscht werden. Warte ich einfach mal ab… [Bilder zeigen]

Am darauf folgenden Tag habe ich erfahren, dass der Zustand der Wohnung schon beim Einzug meines Vormieters so war, d.h. der Typ hat doch echt 6 Wochen darin gelebt. Das finde ich echt krass! Vermutlich hat er sich nicht getraut etwas zu sagen, weil er noch Probezeit hatte und weil er vielleicht nicht weiß in welchem Zustand die anderen Wohnungen sind. Ich dagegen hatte bis zu meinem Auszug aus dem Hotel bereits 4 verschiedene Wohnungen gesehen und mindestens eine davon fotografisch festgehalten. [Bilder]

Nach Feierabend bin ich dann in meine Wohnung, um zu prüfen, ob sich etwas getan hat. Mein ungutes Gefühl sollte mich nicht trügen und ich konnte feststellen, dass alles so war, wie ich es morgens hinterlassen hatte. Auch der Kühlschrank war derselbe gewesen, denn die unverwechselbare Schramme an der Tür, wird es kaum bei allen Geräten dieses Typs geben. Zu diesem Zeitpunkt habe ich beschlossen, dass ich am nächsten Morgen auf jeden Fall aus dem Appartement ausziehen werde. Egal, ob man mir eine Alternative gibt oder nicht. Im schlimmsten Fall, habe ich mir vorgenommen, werde ich mich entweder mit Sack und Pack auf der Gartenterrasse oder im Büro unseres Managing Directors einrichten und den verlorenen Schlaf der letzten Nächte nachholen. Was hab ich denn jetzt noch zu verlieren?! Dann sollen sie mich deswegen kündigen und ich bekomme wenigstens keine Sperre beim Arbeitslosengeld…

Heute Morgen bin ich aus meiner Wohnung ausgezogen und mit Sack und Pack ins Büro. Der nigerianische Security-Mann, mit dem ich mich ganz gut verstehe, hat mich ganz verdutzt angeschaut und gefragt, ob ich Urlaub machen wollte. Da musste ich ihm erklären, dass ich kündigen werde. Das wollte der gar nicht glauben, aber dann hat er mir erzählt, dass das Management schon vor mir einige junge Leute vergrault hat. Ich musste ihm nachher versprechen, dass ich nicht eher gehe, bevor er nicht ein gemeinsames Foto von uns hätte. Das fand ich echt witzig! Überhaupt ist mir aufgefallen, dass einige Nigerianer, die ich noch nie gesehen habe, mich grüßen und nach meinem gebrochenen Fuß fragen. Der Buschfunk der Einheimischen scheint weitaus effektiver zu sein als der Flurfunk bei Itellium. Wahrscheinlich hat sich unter den Nigerianern herum gesprochen, dass sich ein weißes Humpelstilzchen mit ihrem „Master“ Herrn F. angelegt hat.

Die Kündigung habe ich anschließend meinem Chef überreicht. Dieser hat sie – was bleibt ihm auch anderes übrig – akzeptiert und bedauert weiterhin die ganze Geschichte. Er hat mir noch einmal beteuert, das ich fachlich und auch von der Person her gut ins Team passen würde. Und er hat sich überlegt, wie er mich zum Bleiben überreden könnte. Nach dem Trouble hier tat das mal ganz gut zu hören. Jedenfalls ist mit der Kündigung der Prozess der Beendigung des Arbeitsverhältnisses in die Wege geleitet worden, aber was nun kommt, wird sich zeigen…

*** Fortsetzung folgt ***

26.5.10 11:55

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